Chemische oder biologische Reinigung?

1. Wann macht externe Reinigung Sinn?

Was wäre schlimm daran, Kleidungsstücke einfach zu waschen statt sie reinigen zu lassen wie empfohlen? Sie könnten dauerhaft ihre Form verlieren. Durch normale Waschlauge quellen die Fasern mancher Stoffe auf. Die externe Reinigung eignet sich besonders gut für Kleidungsstücke, die aufgrund der verwendeten Textilien mit den entsprechenden Pflegezeichen (P, F, oder A für “alle Lösungsmittel”) gekennzeichnet sind. Vor allem hochwertige Business-, Frei­zeit- und Fest­kleidung ist deshalb oft ein Fall für die externe Reinigung. Sinnvoll ist es auch bei Kleidungsstücken, die tief mit Fetten getränkt sind. Diese bekommt man mit wasserhaltigen Reinigungsmitteln, die überwiegend Zuhause eingesetzt werden schwer raus.

Doch wie Reinigungen arbeiten und welche Substanzen sie verwenden, bleibt den Kunden verborgen. Jahrelang haben wir unsere Anzüge, festlichen Kleider und Wintermäntel in die chemische Reinigung gebracht, ohne uns zu fragen, was für Chemikalien dort verwendet werden. Erst seit ich mich intensiver mit dem Schutz der Umwelt beschäftige, kam diese Frage ganz natürlich auf. Ich habe im Internet recherchiert und mit Mitarbeitenden von zwei biologischen Reinigungen gesprochen. Es ist erschreckend, dass eine hochgiftige Substanz wie Perchlorethylen immer noch legal verwendet werden darf, obwohl es Mensch und Umwelt  schädigt.

2. Was bedeutet chemische Reinigung?

Chemische Reinigungen werden auch als Trockenreinigungen bezeichnet, da kein Wasser für das Reinigen der Kleidung eingesetzt wird. Es werden allerdings andere, nicht wasserhaltige Flüssigkeiten eingesetzt. Der mechanische Vorgang, also das Schleudern und Durchmengen der Kleidung mit dem Lösungsmittel, ist dem Waschen mit einem wasserhaltigen Reinigungsmittel gleichzusetzen. Die Begriffe chemische Reinigung oder Trockenreinigung beziehen sich einzig auf die eingesetzten Mittel zur Reinigung. Nachfolgend gehe ich näher auf die Unterschiede ein.

3. Welche Lösungsmittel?

In vielen chemischen Reinigungen wird nach wie vor Perchlorethylen (bekannt als PER mit dem Pflegezeichen P) und bis 1992 Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW mit dem Pflegezeichen F) eingesetzt. Beide Lösungsmittel sind gesundheitsgefährdend und inzwischen in Deutschland verboten.

PER ist gesundheitsgefährdend (Reizung der Augen und Atemwege, Kopfschmerzen, Schädigung des Fötus, krebserregend) und wird in Frankreich, Österreich und der Schweiz weiterhin in vielen chemischen Reinigungen verwendet. In Frankreich wird es ab 2022 gesetzlich verboten sein, PER zu verwenden.

In Deutschland wird seit dem Verbot von PER und FCKW hauptsächlich Kohlenwasserstoff (KWL) eingesetzt (ebenfalls mit dem Pflegezeichen F). Aber auch Textilien mit dem Pflegezeichen P können mit Kohlenwasserstoffen gereinigt werden. Diese langkettigen Kohlenwasserstoffmoleküle haben einige Vorteile im Vergleich zu wasserhaltigen Reinigungsmitteln. Gerade bei Kleidungsstücken, die aus unterschiedlichen Textilien bestehen (Mäntel, Anzüge, Damenkostüme) oder bei Seidenkleidern werden die Fasern schonender behandelt. Wasser führt zum Anschwellen der Fasern, was wiederum zur Verformung der Textilien und einem Farbverlust führen kann. Da ähnliche Stoffe besser ähnliche Stoffe lösen, lösen die Kohlenwasserstoffe Fette (auch Öl und Wachs) wesentlich besser als wasserhaltige Reinigungsmittel, da Kohlenwasserstoffe im chemischen Sinne auch Fette sind. So werden die unerwünschten Fette wesentlich besser von der Faser abgelöst.

4. Umweltschonende Reinigung

Die Nassreinigung mit Wasser und speziellen Waschmitteln ist ein modernes Verfahren, welches die Umwelt, Gesundheit und Textilien schont. Es ist eine umweltfreundliche, Methode, weil sie ohne bedenkliche Lösungsmittel auskommt und Mitarbeitende im Betrieb keinen schädlichen Lösungsmitteln ausgesetzt sind. Sowohl in den chemischen als auch in den biologischen Textilreinigungsbetrieben wird dieses Verfahren angewandt, wenn es sich um pflegeleichte Bekleidung oder waschbar ausgezeichnete Textilien handelt, welche nicht mit Fett verschmutzt sind. Viele Kleidungsstücke oder Heimtextilien, bei denen bislang chemische Reinigung empfohlen wurde, eignen sich durchaus für professionelle und umweltschonende Nassreinigung. Diese unterscheidet sich vom Waschen daheim: Es braucht spezielle Mittel und Waschmaschinen, in denen auch voluminöse Wolldecken oder Daunenduvets Platz haben. Die Nassreinigung ist sehr gründlich, weil durch das Wasser die Poren der Fasern geöffnet werden und so die Waschmittel tief ins Gewebe eindringen können. Das entfernt auch hartnäckige Gerüche von Schweiß oder Urin. Weiterer Vorteil: Die Sachen duften frisch, aber sie tun es dezent.

Es können aber nicht alle Kleidungsstücke nass gereinigt werden. In den biologischen Reinigungen in der Schweiz verwendet Coop in seinen Oecoplan-Textilreinigungen (https://www.coop.ch/de/einkaufen/supermarkt/services/coop-oecoplan-textilreinigung.html) nebst der Nassreinigung (für pflegeleichte Kleider) das geruchsneutrale Lösungsmittel  Kohlenwasserstoff (KWL) für die empfindlichen Kleider. Dieser wird von Umweltschutz-Organisationen empfohlen. Auch die Texsana-Reinigungen verzichten auf PER (https://texsana.ch/en/frontpage). Noch nicht durchgesetzt hat sich in der Schweiz eine neue Entwicklung bei den umweltfreundlichen Methoden: die Textilreinigung mit Kohlendioxid.

In Frankreich wird in biologischen Reinigungen nebst der Nassreinigung auch Silikon D5 (Decamethylpentasiloxan) und KWL verwendet. D5 soll 100 Prozent ökologisch und nicht toxisch sein. Es gibt folgende biologische Reinigungen in Frankreich: Baléo (https://www.baleo-pressing.com), NatureH2O (http://www.h2opressing.com), Aqualogia (http://www.aqualogia.fr) und Sequoia. Ich habe Sequoia getestet und mit der Angestellten gesprochen. Sie hat früher in einer chemischen Reinigung gearbeitet und musste aufgrund gesundheitlicher Probleme kündigen. Bei einer Blutuntersuchung wurden hohe Werte an PER in ihrem Blut gefunden. Seit sie in der biologischen Reinigung arbeitet, hat sie keine gesundheitlichen Probleme mehr. Die biologische Reinigung Sequoia ist etwas teurer als herkömmlichen Reinigungen, aber das ist es mir Wert. Für einen Anzug habe ich in Paris 16 Euros und für einen Blazer 8.50 Euros bezahlt und bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Die Plastikhülle kann rezykliert und auf Wunsch im Geschäft gelassen werden, wo sie wiederverwendet wird. Die Metallbügel werden von den Kunden zurückgebracht und wiederverwendet.

In Deutschland wird in biologischen Reinigungen die Nassreinigung (mit Wasser und umweltschonenden Waschmittel) oder die Reinigung mit dem umweltfreundlichen Kohlendioxid (siehe hierzu DE-UZ 126 für CO2-Reinigung) angeboten. In beiden Reinigungsprozessen werden deshalb keine Schadstoffe in die Luft und das Abwasser emittiert, und die Textilien werden trotzdem sauber. Es gibt diverse biologische Reinigungen in Deutschland. Der blaue Engel zeichnet in Deutschland Dienstleister aus, die Oberbekleidung aus Textilien und Leder aus dem häuslichen Bereich sowie Heimtextilien professionell und umweltschonend reinigen. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Reinigung auf dieses Gütesiegel.

Auf der Website des Deutschen Textilreinigungsverbands können Sie nach einem Betrieb in Ihrer Nähe suchen, der Nassreinigungen anbietet.

In Österreich wird in biologischen Reinigungen die Nassreinigung und die Reinigung mit KWL angeboten. Es gibt diverse biologische Reinigungen in Österreich.

5. Fazit

Kaufen Sie wenn möglich Kleider, welche Sie zuhause waschen können. Lassen Sie ihre  hochwertigen Kleider wie Anzüge, Festkleider und Wintermäntel nur reinigen, wenn es wirklich notwendig ist. Falls es in Ihrer Region biologische Reinigungen gibt, bringen Sie Ihre Kleider  in diese Geschäfte. Falls Sie diese Möglichkeit nicht haben, erkundigen Sie sich bei Ihrer chemischen Reinigung, welche Chemikalien verwendet werden und wählen Sie wenn möglich die Nassreinigung, statt die chemische Reinigung.

Bei Smarticular habe ich gelesen, dass man Anzüge und Wintermäntel auch in der Waschmaschine mit einem Wollwaschmittel im 30 Grad Schongang (ohne schleudern) waschen kann. Bisher habe ich nicht den Mut gehabt, das auszuprobieren.

2 Gedanken zu „Chemische oder biologische Reinigung?“

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