Die Corona Krise zeigt, wie leicht nachhaltig leben ist

Seit Wochen ist nichts mehr so, wie es mal war. Die Corona Pandemie hat die Welt im Würgegriff und viele Regierungen sahen sich gezwungen, die Freiheitsrechte der BürgerInnen einzuschränken. Geschäfte, Restaurants, Bars, Museen, Freizeitvergnügungen, Sportvereine und Schulen wurden in der Schweiz und vielen anderen Ländern geschlossen. Geöffnet sind nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Bäckereien, Metzgereien und Take-Aways. Wir Eltern sind plötzlich LehrerInnen und realisieren, wie anspruchsvoll und anstrengend dieser Job ist. Zum Thema Homeschooling hat Marina Laux einen ausgezeichneten Artikel geschrieben, den Sie unbedingt lesen sollten (https://awblog.at/10-tipps-fuer-heimunterricht/). Ich habe in den letzten Wochen mit Homeschooling mein Bestes gegeben, aber es war nicht leicht und ich bin einige Male an meine Grenzen gestoßen. Die geregelte Tagesstruktur, gutes und frisch gekochtes Essen, feine Desserts und die 2-3 Stunden Sport an der frischen Luft halten uns physisch und psychisch gesund. Was mir zur Zeit hilft, sind meine 4-jährige Arbeitserfahrungen in Krisengebieten mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK). Ich denke oft an den 6 monatigen Einsatz im Nordirak im Jahr 2004 zurück, wo wir uns aus Sicherheitsgründen nicht außerhalb des Büros und der Residenz bewegen durften. Einmal pro Woche fuhren wir mit dem irakischen Chauffeur zum Lebensmittelladen, während dem er sicherstellte, dass uns niemand eine TNT Bombe unters Auto klebte. Diese 20 Minuten waren unser wöchentliches Highlight, worauf wir uns sehr gefreut haben. Viel Schlaf, eine klare Tagesstruktur, Kontakte per Internet oder Telefon, Sport und positives Denken helfen, die Zeit in Quarantäne gut zu überstehen. Die psychologischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Quarantäne sind schwer abschätzbar aber eines ist sicher, nichts wird mehr so sein, wie es mal war.

In der Schweiz gibt es keine Ausgangssperre, aber klare Anweisungen, welche alle Personen in diesem Land befolgen sollten: Distanz von 2 Metern zu anderen Menschen einhalten, häufig Hände mit Seife waschen, zuhause bleiben, nur für die Arbeit und das Einkaufen nach draußen gehen und direkte soziale Kontakte meiden. Die Behörden hoffen, dass dank dieser Maßnahmen die Ausbreitung des Corona Virus beschränkt und die Zahl der Todesfälle reduziert werden kann. Die Schweizer Bevölkerung hat sich bisher mehrheitlich diszipliniert gezeigt, sogar über die Osterfeiertage. Die Ansteckungskurve ist in der Zwischenzeit abgeflacht und die Todesfälle gehen zurück (BAG Stand vom 15.04.2020: 26’336 Infizierte, 973 verstorbene Menschen). Nur wenn wir uns weiterhin an die Regeln halten, werden die Zahlen weiter sinken. Die Experten meinen, dass uns der Corona Virus noch lange in unserem Alltag einschränken wird. Wir haben unsere Osterferien nicht wie geplant in Paris (unserem früheren Wohnort) und London verbracht, sondern zuhause. In den Sommerferien wollten wir mit dem Zug nach Sardinien fahren, was wir aufgrund der Pandemie bereits gestrichen haben. Also werden wir die Sommerferien wie letztes Jahr in der Schweiz verbringen, worauf wir uns bereits sehr freuen. Vielleicht dürfen wir am Bodensee und in den Bergen Ferien machen? Welche Ferienpläne haben Sie auf Eis gelegt?

Konsumieren ist zur Zeit sehr eingeschränkt möglich, was auch seine guten Seiten hat. Für uns nichts Neues, weil wir seit der Wende zum Zero Waste Lifestyle im Herbst 2018 weniger konsumieren. Ich kaufe mehrmals pro Woche Esswaren ein, aber ansonsten konsumieren wir als Familie sehr wenig. Wir lassen defekte Sachen wie Kleider, Schuhe, Haushatsgegenstände, Möbel etc. einfach reparieren. Nicht gebrauchte Sachen verschenken oder verkaufen wir, denn Besitz belastet. Kurz vor dem partiellen Shutdown habe ich mir nach 10 Monaten Kleider Kaufpause einen gebrauchten Mantel in einem Secondhand Laden in meinem Quartier gegönnt. Einen solchen Mantel habe ich mir schon lange gewünscht – er passt perfekt, die Qualität ist super und der Preis hat auch gestimmt. Wir kaufen wenn möglich gebrauchte Sachen oder leihen sie von professionellen (Auto Carsharing) Anbietern oder Privatpersonen aus. Den Pingpong Tisch, der nun im Gemeinschaftsgarten steht, haben wir neu gekauft, weil es nicht möglich war, einen gebrauchten Tisch nach Hause geliefert zu erhalten. Statt auf öffentlichen Plätzen Pingpong zu spielen, tun wir das nun fast täglich zuhause, manchmal auch mit Nachbarn (und dem notwendigen Abstand).

Zur Zeit ist in Zürich unverpackt einkaufen immer noch möglich. Durch meine Instagram Kontakte weiß ich, dass es in verschiedenen Ländern (Deutschland, USA etc.) diesbezüglich Restriktionen gibt. Trotz dieser Restriktionen ist es immer noch möglich, Früchte und Gemüse einfach lose zu kaufen und selbst zu kochen. Seit einem Monat erhalte ich alle 2 Wochen 7 Kilogramm gerettetes Bio Gemüse von Gebana nach Hause geliefert, welches nicht der Norm entspricht. Diese krummen Rüebli, zu dicken Lauchstangen, zu großen Kartoffeln etc. würden sonst im Abfall landen, was ich einfach skandalös finde. Vielleicht gibt es in Ihrer Region auch Bio Kisten, welche nach Hause geliefert werden. Das ist echt praktisch und hilft den Bauern, ihre gute Ware zu verkaufen.

Wir haben von Januar bis März 2020 als 3 Personen Haushalt 17 Liter Restmüll (inkl. Plastikabfall) verursacht, total 2.5 Kilogramm nicht recycelbaren Abfall. Wenn ich bedenke, dass wir früher monatlich so viel Abfall verursacht haben wie jetzt in einem ganzen Jahr, können wir zufrieden sein. Zur Zeit fällt etwas mehr Plastikmüll an, weil ich nur in meinem Quartier einkaufe und nicht im Unverpacktladen „Chez Mamie“, der mit dem Bus 20 Minuten entfernt am Schaffhauserplatz in Zürich liegt. In naher Zukunft sollte es jedoch möglich sein, den Restmüll weiter zu reduzieren. Aber es geht ja schließlich nicht nur um Zero Waste in Bezug auf Restmüll und Plastik, sondern ganz allgemein um einen nachhaltigeren Lebensstil. Da gehören folgende Aspekte dazu: Weniger Konsum, gesunde Ernährung mit reduziertem Fleisch- und Milchproduktekonsum und möglichst wenig Food Waste, Wohnung weniger heizen und Strom sparen, ÖV und Fahrrad benutzen und auf private Flüge möglichst verzichten. Viele nachhaltige Tipps und Anregungen finden Sie bei @madameecolo auf Facebook und Instagram https://www.instagram.com/madameecolo/

Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt, unser Leben nachhaltiger zu gestalten, weil wir im Moment nur erschwert konsumieren können. Gewöhnen wie uns doch einfach daran, weniger zu konsumieren und dadurch mehr Zeit zu haben, weniger weit zu reisen und täglich mit frischen Zutaten zu kochen. Wir leisten damit einen Beitrag zur Abwendung des Klimawandels und leben ein erfüllteres, gesünderes und besseres Leben. Zudem sparen wir Geld, müllen unser Zuhause nicht mit Sachen zu, welche wir bald nicht mehr brauchen und benötigen weniger Zeit, nicht gebrauchte Dinge wieder los zu werden. Eine totale Win-Win Situation, welche es uns erlaubt, mehr Zeit und Geld für gemeinsame zukünftige Familien Aktivitäten zur Verfügung zu haben oder einfach ein Geldposter für schlechtere Zeiten anzulegen. Sind Sie dabei? Welche Tipps haben Sie für uns? Bitte schreiben Sie Ihre Tipps, Kommentare und Fragen unten in die unten stehende Kommentarbox.

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