In 100 Tagen zero waste?

1. Nur noch 20 Liter Restmüll/Monat

Ende September 2018 haben wir den Entschluss gefasst, in unserem 3 Personen Haushalt weniger Abfall anzuhäufen. Wir wollten nicht länger zuschauen, wie unsere Natur und unsere Ozeane vermüllt werden. Wir wollten unseren Beitrag zu einem nachhaltigeren Leben leisten und Teil einer wachsenden, weltweiten Öko-Bewegung werden. Mit unserem täglichen Handeln leben wir vor, wie einfach und befriedigend ein Leben mit weniger Ballast ist. Ich möchte mit meinem Blog Ihnen Lust machen, Teil dieser Bewegung zu werden und mit kleinen Schritten Großes bewirken.

2019-01-08 15.51.30

Leider ist es in der heutigen Welt nicht möglich, null Abfall (Zero Waste) zu verursachen, auch wenn man sich noch so Mühe gibt. Aber weniger Abfall verursachen geht auf jeden Fall und das ist leichter, als Sie vielleicht denken. Wir haben in 3 Monaten unseren monatlichen (nicht wiederverwertbaren) Restmüll um 70 Prozent reduziert, von 65 auf 20 Liter. Den großen Abfalleimer (rechts im Bild) habe ich verkauft und verwende in der Küche nun den Kleinen aus dem Bad. Bioabfall und wiederverwertbarer Abfall (Glas, Papier, Karton, Plastik, Kork, Glühbirnen, Batterien etc.) liegen bei je 30 Liter pro Monat.

Im Vergleich zur Zero Waste Pionierin Béa Johnson, welche in einem Jahr mit ihrer Familie dank Anwendung der von ihr entwickelten 5 Zero Waste Regeln (siehe Bild rechts) nur ein Einmachglas voll Restmüll produziert, stehen wir schlecht da. Aber im Vergleich zum Durchschnittsbürger/in aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, der/die circa 35 Kilogramm Haushaltsmüll pro Monat wegwirft (gemäss OECD Statistik 2015), machen wir eine gute Figur. Wir bemühen uns weiter, unseren Rest- und wiederverwertbaren Müll zu reduzieren und berichten Ihnen davon.

2. Unsere nachhaltigen Aktionen in 3 Monaten

  • Überall möglichst unverpackt, regional und bio eingekauft: Immer nach Möglichkeit mit Einkaufstaschen, Beuteln und Behältern im Unverpackt- und Bioladen, beim Supermarkt, Bäcker, Fleischer und Käser möglichst unverpackte, regionale Bio-Produkte eingekauft. Wir haben bewusst auf gewisse Dinge verzichtet oder sie selbst gemacht, welche in Plastik verpackt sind (Joghurt, Apfelkompott, Biskuits, Fruchtsäfte, Maiswaffeln, Chips, etc.). Für weitere Informationen verweise ich auf meine Beiträge Unverpackt einkaufen geht überall und Unverpackt einkaufen macht Spass.
  • Reduzierter Konsum von Fleisch und Fisch: Wir aßen alle zwei Wochen Fisch und jede Woche wenig Fleisch in Form von Speck, Poulet oder Schinken im Gericht oder ein paar Scheiben Salami aufs Brot.
  • Im Restaurant essen anstatt Take-Away: Plastiktrinkhalme und Plastikflaschen abgelehnt, Wasser vom Wasserhahn verlangt, Resten in mitgebrachte Behälter gepackt, kaum Take-aways besucht.
  • Nachhaltigkeit im Bad verbessert: Bambuszahnbürsten, Bambus-Ohrenstäbchen, feste Zahnpasta (für die Erwachsenen), feste Seife für Körper und festes Shampoo für die Haare, feste Badezusätze, nachfüllbare flüssige Seife für Seifenspender, waschbare Baumwollpads fürs Abschminken, Rasierhobel mit Pinsel und Rasierseife, selbstgemachtes Haarspray, Stofftaschentücher, 100 Prozent rezykliertes Toilettenpapier, feste Körpercrème und Periodeslips eingeführt. Ich bin dabei, meine Reserve an Kosmetikprodukten aufzubrauchen und mir zu überlegen, welche ich durch nachhaltigere Produkte ersetzen werde. Viele Produkte sind unnötig und werden folglich nicht ersetzt. Dazu finden Sie folgende Beiträge im Blog: Taschentücher aus Papier oder Stoff?zero waste Set fürs BadSeife für Körper und Haare.
  • Nachhaltigkeit im Haushalt verbessert: Wasser vom Wasserhahn (schon seit Jahrzehnten) trinken, nachfüllbares biologisches Waschmittel gekauft, nur noch biologische Reinigung für Anzüge und Festkleider, Reduktion der Putzmittel von 8 auf 3 und davon 2 in nachfüllbarer Form (Allzweckreiniger und WC-Reiniger), nachfüllbare und ökologische Mittel für die Spülmaschine  und fürs Abwaschen von Hand, Stoffservietten anstatt Haushaltspapier, Haushaltspapier durch alte Stoffstücke ersetzt, plastikfreier Spühlsschwamm, gewisse Produkte selber machen (Apfelkompott, Waffeln, Joghurt, Eis, Kuchen, Bretzeln etc.), Kaffee aus dem italienischen Espressokocher anstatt aus Kapseln, Milch in der Glas-Pfandflasche anstatt Plastikflasche. Ich werfe keine Lebensmittel weg, da ich nur einkaufe, was wir gemäss Wochenspeiseplan wirklich brauchen (mehr Infos unter meinen Beiträgen Tipps gegen LebensmittelverschwendungChemische oder biologische Reinigung?Mineralwasser – ein schmutziges Geschäft.
  • Gebrauchte Artikel: Kleider, Spielzeug, Spiele, Schuhe, Bücher, Haushaltsartikel etc. verkauft, gekauft und verschenkt.
  • Reparieren statt wegwerfen: Wir haben Schuhe und Kleider zur Reparatur gebracht und somit bleiben diese Artikel in Gebrauch.
  • Bücherei: Wir leihen regelmäßig Kinderbücher aus.
  • Unterwegs mit dem öffentlicher Verkehr und zu Fuß: Das machen wir schon seit Jahren so.  Wir haben kein Auto und haben mit dem Zug zwei Reisen ins angrenzende Ausland gemacht. Ansonsten sind wir in Paris mit Metro, Bus und Zug unterwegs, auch fürs einkaufen. Im November haben wir ein Auto für ein paar Tage gemietet, um in der Region Paris mehrere Ausflüge zu machen.

3. Vorteile

  • Einen Beitrag zu einer sauberen Umwelt leisten
  • Eine bessere Gesundheit durch gesundes und leckeres Essen und viel Bewegung
  • Mehr Geld durch reduzierten Konsum
  • Das Umfeld durch unser Handeln motivieren, ihre Lebensweise zu überdenken

4. Herausforderungen

  • Zeit, Planung und Organisation: Vor allem am Anfang braucht die Umstellung Zeit. Ich habe viel im Internet recherchiert, um gewisse Produkte unverpackt zu finden. Häufig sind die Unverpacktgeschäfte weiter weg als der Supermarkt im Quartier, sodass man die Einkäufe gut planen muss. Wir entscheiden gemeinsam den Wochenspeiseplan. Dann kaufe ich einmal pro Woche im Unverpacktladen, im Bioladen, beim Käser und Fleischer ein. Beim Bäcker um die Ecke kaufe ich mehrere Male pro Woche ein. Bei guter Planung brauche ich nicht mehr Zeit für den Einkauf als früher.
  • Kochen und Portionen einfrieren: Ich koche grössere Quantitäten, damit ich einen Teil einfrieren kann. Nach 2 Wochen hat man dann einen guten Vorrat im Tiefkühlfach sodass man nicht jeden Tag kochen muss. Am Anfang ist es klar ein Mehraufwand.
  • Gewisse Produkte nicht unverpackt gefunden: Spezialreiniger fürs Parkett in nachfüllbarer Version (made in France), 100 Prozent rezykliertes Toilettenpapier ohne Plastikverpackung (made in France), Olivenöl zum nachfüllen, Chips und Maiswaffeln etc.
  • Welche Verpackung (Dosen, Einwegglas, Tetra-Pak, Plastik, Mehrwegglas etc.) wählen? Es ist ein wöchentliches Dilemma beim Einkaufen, da nicht nur die Verpackung zählt, sondern auch die Ökobilanz des Produktes. Dosen sind wegen der inneren gesundheitsgefährdenden Plastikbeschichtung nicht zu empfehlen. Einwegglas hat die schlechteste Ökobilanz aller Verpackungen, aber lässt sich gut recyceln. Da ich das Glas für das Aufbewahren anderer Produkte weiter verwende, ist es vertretbar. Tetra-Pak kann recycelt werden, aber leider werden für die Herstellung vor allem Neufasern verwendet. Der Transport hingegen ist ökologischer als Glasflaschen. Wenn ich es mit dem ÖV nicht ans andere Ende von Paris schaffe, um die tolle Vollmilch in der Glaspfandflasche aus der Normandie zu kaufen, nehme ich sie in Bioqualität im Tetra Pak (mit Plastikverschluss) aus der Bretagne, was eine vertretbare Lösung ist. Sobald eine Mehrwegglasflasche weniger als 200 Kilometer transportiert und mindestens 15 Mal benutzt wird, ist sie umweltfreundlicher als ein Getränkekarton (mehr Infos dazu in meinem Artikel Die Müll Mythen). PET Mehrwegflaschen schneiden in der Studie von Greenpeace Österreich zusammen mit Glas Mehrwegflaschen am besten ab (https://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/marktcheck/uploads/media/getraenkeverpackungen_umweltberatung_01.pdf).
  • Bio, unverpackt und regional? Leider gibt es viele Produkte, welche nicht bio und unverpackt und regional sind. Ich kaufe regelmäßig unverpackt und regional ein anstatt bio aus dem Ausland.
  • Feste Zahnpasta: Wir haben  2 verschiedene feste Zahnpasta versucht und sind einfach nicht zufrieden. Der Geschmack ist nicht gut, es bildet sich kaum Schaum und nach dem Putzen fehlt das Frischegefühl im Mund. Nach 3 Monaten Testphase greifen wir nun zu einer Zahnpasta in der Tube, welche 100 reziklierbar ist und keine bedenklichen Inhaltsstoffe und Mikroplastik hat. Das ist für uns ein vertretbarer Kompromiss.

5. Das möchten wir noch machen

  • Konsequenter auf gewisse Produkte verzichten oder nachhaltigen Ersatz finden
  • Bambuszahnbürsten mit Holzzahnbürsten aus der Region ersetzen
  • Guten französischen Wein unverpackt einkaufen. Wir haben bereits einen Versuch gemacht, wobei der Wein nicht trinkbar war.
  • Abfall (Restmüll und wiederverwertbarer Müll) weiter reduzieren
  • Unsere Wohnung entrümpeln und Sachen verkaufen und verschenken
  • Gewisse Produkte selber herstellen (Putzmittel etc.)
  • Die vielen tollen Umwelttipps aus Juilien Vidal’s Buch,¨ça commence par moi¨, umsetzen

6. Fazit

Es war eine spannende und lehrreiche Zeit mit vielen guten Begegnungen und Diskussionen. In Paris ist eine große Bereitschaft da, umweltbewusster zu leben. Das erleichtert unseren Alltag. Das Angebot an Unverpackt- und Bioläden ist gut und in fast allen Geschäften kann ich mit eigenen Beuteln und Gefäßen unverpackt einkaufen.

Von mehreren Personen aus unserem Umfeld wissen wir, dass sie aufgrund unserer nachhaltigeren Lebensweise und dieses Blogs angefangen haben, umweltbewusster zu leben. Das freut und und spornt uns an, in diesem Sinne weiter zu machen. Besten Dank an Sie, liebe Leserin und lieber Leser, für Ihre Treue.

4 Gedanken zu „In 100 Tagen zero waste?“

  1. Liebe Petra
    Dank deinem Blog ist mir zuerst so richtig aufgefallen, was alles aus Plastik ist. Vieles ist so selbstverständlich, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen konnte, dass es auch ohne Plastik ginge, etwa die Zahnbürste, die Seife oder Verpackungen.
    Langsam versuche ich weniger Plastik zu gebrauchen, so gibt im Büro für das Wasser keine Plastikbecher mehr.
    Vielen Dank und liebe Grüsse aus Zürich
    Marco

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    1. Lieber Marco.
      Besten Dank für dein tolles Feedback. Ich freue mich sehr, dass du dein Leben nachhaltiger gestaltest und bereits konkrete Schritte (keine Plastikbecher im Büro etc.) unternommen hast. Mach weiter so, da wir nur gemeinsam unsere Umwelt schützen können.
      Lieber Gruss aus Paris, Madame Ecolo.

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    1. Hallo, deine Reaktion freut mich sehr. Genau deshalb blogge ich, damit Leute wie du sehen, dass weniger Abfall echt machbar ist. Toll, dass du bereits so einiges umsetzen kannst. Wir sind ein internationales Movement von UmweltheldInnen, und es werden jeden Tag mehr.
      Herzlicher Gruss, Madale Ecolo.

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